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Erste "energieautarke Häuser" Europas bezugsfertig
 

 

 
 
 

Erste "energieautarke Häuser" Europas bezugsfertig

Ausstattung mit deutschen Markenfliesen leistet Beitrag zur Energieeffizienz
und Nachhaltigkeit des zukunftsweisenden Projektes



Fliesen Collage  

Die ersten beiden bezahlbaren energieautarken Einfamilienhäuser Europas sind am 11. Oktober 2013 im sächsischen Freiberg eingeweiht worden. Den Häusern liegt ein neues Energie- und Heizkonzept zugrunde – bei dem auf die Speicherung von Warmwasser und selbst erzeugtem Strom sowie auf größtmögliche Effizienz gesetzt wurde. So erzielt die von Haus aus energieeffiziente Fußbodenheizung ihren optimalen Wirkungsgrad in Verbindung mit der keramischen Fliese, die zu den besten Wärmeleitern unter den Belagsmaterialien zählt.

In einer Festrede würdigte Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker den Pioniergeist der Projektentwickler – und betonte, die Realisierung der Häuser sei „eine technologische Meisterleistung, die mit einer hohen symbolischen Kraft weit über die Grenzen Deutschlands hinaus beweist, dass die Energiewende machbar ist“.

 
Neues Hauskonzept setzt auf Eigenversorgung mit Wärme,
Strom und Mobilität aus der Sonne

Über die Hälfte des Energiebedarfs in Deutschland wird für die Erzeugung von Wärme benötigt - im Privathaushalt entfallen sogar 90 % der verbrauchten Kilowattstunden für die Wärmegewinnung und nur 10 % werden als Strom verwendet. Diese Tatsache berücksichtigt das Heizkonzept der energieautarken Häuser, die sich durch eine intelligente Kombination aus Solarthermie und einem Langzeitwärmespeicher ganzjährig nahezu ausschließlich mit der Sonne beheizen. Mit Photovoltaikmodulen erzeugen die Häuser ihren eigenen Strom, der in Akkus gespeichert wird. Somit unterscheidet sich das Energiekonzept grundsätzlich von dem bisheriger Passiv-, Nullenergie- oder sogar Plusenergiehäuser.


energieautarkes haus   Sonnenhaus

Ein neuer Haustypus rückt Energiewende in greifbare Nähe: Prototypen der ersten bezahlbaren energie-autarken Häuser in Freiberg/Sachsen.
Foto: Leukefeld

 

Der Schlüssel zur Autarkie liegt in der Speicherung von Warmwasser und überschüssigem Strom im Haus selbst.
Illustration: Sonnenhaus-Institut e.V.

Durch Solarthermie zur Solarstromautarkie

Für den Solarexperten Prof. Dipl. Ing. Timo Leukefeld, der die Häuser als Projektleiter für die Helma Eigenheimbau AG entwickelte und zugleich Bauherr eines der Häuser ist, liegt der Schlüssel zur Unabhängigkeit in der Speicherung von Sonnenstrom und –wärme im Haus selbst. Denn nach Modellrechnungen kann dieser Haustypus etwa drei- bis viermal so viel Strom gewinnen, wie in einem Vier-Personen-Haushalt benötigt wird. Mit dem Überschuss an Solarstrom kann das Elektroauto der Familie geladen werden. Der Primärenergiebedarf von nur 6,81 kWh/m2a liegt etwa 90 % unter der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 und etwa 80 % unter dem typischer Passivhäuser. Die jährlichen Heizkosten und der CO2-Ausstoß liegen etwa 70 % unter den Werten eines typischen Passiv- oder Plusenergiehauses. "Diese Werte erreichen wir", wie Leukefeld betont, "obwohl im energieautarken Haus sogar eine wohldosierte Verschwendung möglich ist. Steigende Energiepreise interessieren nicht mehr, denn wir decken unseren Strom komplett aus der Sonnenergie, unseren Wärme- und Warmwasserbedarf zu etwa 65 Prozent".

Etwa 15 Mal pro Winter muss im Wohnzimmerkamin ein Feuer entfacht werden, das die rund 9000 Liter Wasser im Speicher wieder erwärmt. "Die rund zwei Festmeter Holz dafür kosten etwa 150 Euro – und das sind die Energiekosten eines ganzen Jahres für Heizung, Strom und Autofahren", wie Leukefeld errechnet hat.


Fußbodenheizung und Fliese – optimale Energieeffizienz beim Heizen

Ihre hohe Energieeffizienz erreichen die Freiberger energieautarken Häuser durch viele Details, die optimal gelöst bzw. ideal aufeinander abgestimmt sind. So spart der Anschluss von Wasch- und Spülmaschine sowie des Wäschetrockners an die Warmwasserversorgung viel Strom ein, der sonst für die elektrische Erwärmung des Wassers in der Maschine benötigt wird.

Eine energieeffiziente Fußbodenheizung verteilt die kostengünstige Wärme im Haus. Da Flächen- und Fußbodenheizungen ihren optimalen Wirkungsgrad nur in Verbindung mit stark wärmeleitenden Belagsmaterialien entfalten, haben sich die Bauherren im Erdgeschoss für eine durchgängige Bodengestaltung mit Fliesen entschieden, die dem Haus zudem eine architektonisch ansprechende Note verleiht. Auch in den Bädern sorgt die Kombination von Fliese und Fußbodenheizung für behagliche Wärme an den Füßen.

Die Ausstattung der beiden Häuser mit deutschen Markenfliesen der Hersteller Kerateam und NordCeram kommentiert Kerateam-Geschäftsführerin Ingrid Vogel: "Es freut uns sehr, dass wir für dieses außergewöhnlich innovative und zukunftsweisende Bauvorhaben Produkte beisteuern durften. Denn auch im Baubereich führt der Einsatz heimisch erzeugter Produkte zu höherer Effizienz, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. Kerateam-Fliesen entstehen aus regional verfügbaren Tonvorkommen in einer der modernsten und umweltschonendsten Fertigungsanlagen Europas. Nun zieren sie weniger als hundert Kilometer entfernt zwei mustergültige Häuser. Durch die kurzen Transportwege – sowohl der Rohstoffe, als auch der Endprodukte - ist der Atmosphäre eine Menge CO2 erspart geblieben."

Last but not least wohnt es sich in den zukunftsweisenden Häusern komfortabel und gesund, da die Auswahl aller Bau- und Ausstattungsmaterialien unter der Berücksichtigung ihrer Schadstofffreiheit erfolgte. Aus diesem Grund dürfen die Häuser das Zertifikat "Wohngesunde Raumluft" des Sentinel Haus-Instituts führen.


Steckbrief Haus

Wohnfläche:  Ca. 160 m2
Baukosten:    Ca. 398.000,- €
Primärenergiebedarf:  6,81 kWh/m2a
Energiekonzept:    Photovoltaik (mit Akku) und Sonnenkollektoren (mit Langzeitwärmespeicher)
Erzeugter Solarstrom: ca. 8000 kWh/a
Kollektorfläche:     46m2
Dachneigung:    45 Grad
Wärmeverteilung:  Fußbodenheizung und Klimadecke
Bauweise:   Ziegelbauweise



Prof. von Weizäcker   Ingrid Vogel

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker betrachtet die energieautarken Häuser als wichtigen Meilenstein und Projekt mit Symbolkraft für die Energiewende.
Foto: Fliesenverband

 

Ingrid Vogel, Geschäftsführerin von Kerateam, tritt für nachhaltiges Denken und Handeln in der Bauwirtschaft ein.
Foto: Fliesenverband

 


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